Wer ist schuld am 1 weltkrieg

Der erste Attentäter verfehlte sein Ziel nur knapp: Am 28. Juni 1914 gegen zehn Uhr entkommt der österreichische Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo um Haaresbreite einem Bombenanschlag. Mit dem Arm wehrt der Thronfolger den Wurf ab, das Geschoss fällt hinter seinen Wagen, detoniert und verletzt einige Begleiter. Der Besuch wird planmäßig fortgesetzt. Nach einem Empfang besteht Franz Ferdinand darauf, einen der Verletzten im Krankenhaus zu besuchen - eine fatale Entscheidung.

In einem Cafe der bosnischen Stadt sitzt derweil der pro- serbische Nationalist Gavrilo Princip. Er ist enttäuscht. Der Anschlag auf den verhassten Habsburger ist fehlgeschlagen, sein Komplize Nedeljko Cabrinovic ist bereits in Polizeigewahrsam. Doch plötzlich sieht er den Konvoi mit dem Sohn von Kaiser Franz Joseph vorbeiziehen. Der 19-Jährige rennt auf den offenen Wagen zu. Im letzten Moment feuert er mit seiner Pistole die tödlichen Schüsse auf Franz Ferdinand und seine Frau Sophie ab.

Wien reagiert unnachgiebig. Mit deutscher Unterstützung fordert Österreich zunächst Aufklärung von der serbischen Regierung, die hinter dem Attentat vermutet wird. Am 28. Juli erklärt die Donau- Monarchie dem renitenten Königreich Serbien den Krieg. Am 1. August unterschreibt der deutsche Kaiser Wilhelm II. die Generalmobilmachung zur Unterstützung Österreichs - bald wird ganz Europa in Flammen stehen.

Hätte der Krieg noch abgewendet werden können oder standen im Sommer '14 die Zeichen nicht doch längst auf Konfrontation? Ob Europa in den Krieg "hineinschlitterte", wie bald der englische Kriegspremier David Lloyd George behauptete, oder der Waffengang durch Deutschlands Weltmacht-Phantasien ausgelöst wurde - die Diskussion über die Ursachen dauert bis heute an.

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Wie konnte der Erste Weltkrieg ausbrechen?

Bereits Monate vor dem 100. Jahrestag des Kriegsbeginns gehen Historiker und Politikwissenschaftler in neuen Büchern der Frage nach, wie ein regionaler Konflikt den Weltenbrand auslösen konnte. Ob der Australier Christopher Clark mit seinem Buch "Die Schlafwandler", Herfried Münklers Gesamtdarstellung "Der Grosse Krieg" oder die Oxford-Professorin Margaret MacMillan mit ihrer Ursachenforschung ("The War that ended Peace") - der Erste Weltkrieg hält die Wissenschaftler noch immer im Bann.

Dabei ist die Geschichte des Krieges weitgehend ausgeleuchtet. Bahnbrechend neue Entdeckungen sind von der Forschung auch nicht zu erwarten. Es geht vor allem um die Deutung eines Ereignisses, das den Schlüssel zum Verständnis des 20. Jahrhunderts birgt - über Kabinettsbeschlüsse und Marschbefehle, Verträge und Strategiepläne hinaus.

Der Erste Weltkrieg, darin sind sich die Experten einig, war der Beginn einer Ära der Gewalt, die sich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Untergang des NS-Regimes hinzog. Wer daran die Hauptschuld trug, war auch lange unumstritten: Das Deutsche Reich mit seinem Streben nach Weltgeltung und seiner Sehnsucht nach einem "Platz an der Sonne" unter den Kolonialmächten. Mit dem forcierten Aufbau einer Kriegsflotte und dem "Schlieffen-Plan", der eine schnelle militärische Unterwerfung Frankreichs vorsah, habe Preußens Elite lange vor 1914 die Weichen für den Zusammenstoß mit den europäischen Rivalen gestellt.

Der Krieg war keine schicksalhafte "Urkatastrophe", sondern Berlins gezielter "Griff nach der Weltmacht", schrieb der Hamburger Historiker Fritz Fischer (1908-1999) in den 60er-Jahren und löste damit die erste Historikerdebatte nach 1945 in Deutschland aus. Beflügelt von dem bis tief in die deutsche Gesellschaft reichenden Hurra-Patriotismus habe sich die Reichsleitung von Militärs und Staatssekretären als Nachzügler unter den Kolonialmächten zum Angriff auf Europa entschlossen.

Die Debatte der Kriegsschuldfrage

Tatsächlich spielte Deutschland mit dem Feuer, als es nach den Morden von Sarajevo der verbündeten Habsburger Monarchie eine "Blankovollmacht" zum Handeln gegenüber Serbien ausstellte. In Berlin war klar, dass Russland eine militärische Niederwerfung seines Schützlings Serbien nicht hinnehmen würde. Kanzlerberater Kurt Riezler zeichnete in seinem Tagebuch, einem Schlüsseldokument für die Ursachenforschung, diese "Politik des kalkulierten Risikos" nach.

Fischer trieb nationalkonservative Historiker wie Gerhard Ritter und Politiker wie Bundeskanzler Ludwig Erhard und Franz Josef Strauß auf die Barrikaden. Vor allem die These einer Kontinuität der Eliten von Kaiserreich und NS-Regime rief heftige Proteste hervor. Fischer habe im Nachhinein den Vertrag von Versailles bestätigt, in dem die Siegermächte von 1918 die deutsche Alleinschuld am Krieg festschrieben, hieß es aus dem konservativen Lager.

Doch längst sind Historiker von den Fischer-Thesen abgerückt. "Die Deutschen hatten den Weltkrieg nicht geplant, sie gingen sogar ziemlich unvorbereitet in den Krieg", sagte der Militärhistoriker Sönke Neitzel, Professor an der London School of Economics, in einem Interview mit "Spiegel Geschichte". Deutschland habe im August 1914 gar keine Kriegsziele gehabt. Erst als der Krieg richtig losbrach hätten vor allem rechte Kreise von möglichen Annexionen gesprochen.

Der Politologe Herfried Münkler zieht eine Verbindung zwischen Fischers Thesen und dem Aufbau der Demokratie in Deutschland nach 1945. Er spricht dabei von dem "Irrglauben", dass die neue europäische Friedensordnung die Konstellationen für einen Konflikt wie 1914 aus der Welt geschaffen habe. Die jugoslawischen Zerfallskriege von 1991 seien dafür eine deutliche Warnung. "Auf längere Sicht haben Fischers Thesen wie ein politischer Tranquilizer gewirkt, der gegenüber den fortbestehenden Konfliktfeldern in Europa unaufmerksam und schläfrig gemacht hat", schreibt der Wissenschaftler der Humboldt-Universität.

Auch Christopher Clark spricht in seinem inzwischen zum Bestseller aufgestiegenen Werk "Die Schlafwandler" von einer gesamteuropäischen Krise im Jahr 1914. "Der Kriegsausbruch von 1914 ist kein Agatha-Christie-Thriller", schreibt Clark. Am Ende werde der Schuldige nicht neben dem Leichnam auf frischer Tat ertappt.

Der Kriegsausbruch sei eine Tragödie und kein Verbrechen gewesen, schreibt Clark. Ob in London, Paris, Wien, Berlin oder Moskau - jede Regierung habe die Chance gehabt, die Eskalation zu stoppen. Monarchen und Militärs, Minister und Diplomaten hätten aber ihr Spiel so lange getrieben, bis ihnen am Ende die militärische Konfrontation als unausweichlich erschien.

Wer ist verantwortlich für 1 Weltkrieg?

Wer übernahm die Verantwortung für den Krieg? Der Vertrag von Versailles am 28.6.1919 zwischen den 26 alliierten und assoziierten Mächten und dem Deutschen Reich wies dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs (Artikel 231) zu.

Wer war Schuld für den 1 Weltkrieg?

Die Frage nach der Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird unter Historikern kontrovers diskutiert. Für die Sieger des Krieges war die Schuldfrage dagegen eindeutig. So wurde in den Pariser Friedensverträgen 1919 festgelegt, dass Deutschland und seine Verbündeten die Alleinschuld trugen.

Warum trägt Deutschland nicht die Schuld am 1 Weltkrieg?

Das Deutsche Reich war nichtschuld“ am Ersten Weltkrieg. Eine derartige Kategorie gab es bis dahin gar nicht, hatten doch dem Codex der europäischen Staatenkriege gemäß souveräne Staaten das „ius ad bellum“, sofern sie eine Verletzung ihrer Interessen begründen konnten.

Was wollten die Deutschen im Ersten Weltkrieg?

Die tieferen Ursachen dieses Weltkrieges waren lang andauernde Streitigkeiten zwischen den großen europäischen Mächten. Großbritannien, Frankreich, das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und Russland wollten ihre Macht vergrößern. Sie kämpften um mehr wirtschaftlichen Einfluss auf den Weltmärkten.