Baby von jetzt auch gleich müde

"Nach der Geburt eines Säuglings dauert es oft einige Zeit, bis die Eltern ein Gespür für die Signale ihres Kindes entwickeln – und das ist ganz normal", sagt Ruth Wollwerth de Chuquisengo. Als Psychologin berät sie Eltern von Schreibabys in der eigens dafür eingerichteten Sprechstunde am Kinderzentrum München. Schreibabys sind Kinder, die sich schwer tun, in ihren Schlaf-Wach-Rhythmus zu finden und ihrem Bedürfnis nach Ruhe nachzugeben. Ihr Schreien ist für die Eltern besonders schwer zu deuten. Andere Babys senden dagegen bestimmte Signale aus, um ihren Eltern mitzuteilen, was ihnen fehlt:

Hunger

Ist ein Baby hungrig, wird es zuerst unruhig und quengelt. Später fängt es an zu schreien. "Eltern sollten dann aber noch andere Dinge berücksichtigen, bevor sie schlussfolgern, dass ihr Kind Hunger hat", sagt Wollwerth de Chuquisengo. "Zum Beispiel, wann das Kind das letzte Mal gefüttert wurde." Anfangs brauchen Säuglinge alle eineinhalb bis vier Stunden Nahrung. Außerdem hilft es, Gesicht und Körper des Kleinen zu betrachten: Hat es Hunger, ist sein Körper eher angespannt. Hält man ihm einen Finger an die Lippen, beginnt es sofort, heftig und gierig daran zu saugen. Streicht man direkt neben dem Mund über seine Wange, bewegt es suchend den Kopf und öffnet seinen Mund.

Müde

Wenn das Baby müde ist, dreht es sich weg. Dazu reibt es sich eventuell die Augen oder Ohren. Vielleicht versucht es auch, an seinen Fingern zu saugen, um sich zu beruhigen. Es wird quengelig und fängt erst nach einer Weile an zu weinen. Sein Körper ist schlaff, die Augen fallen halb zu. Steckt man ihm einen Finger in den Mund, saugt es sanft und beruhigend daran. "Anfangs werden Säuglinge nach eineinhalb bis zwei Stunden Wachsein wieder müde", sagt Wollwerth de Chuquisengo. "Halten die Eltern das Kleine länger wach, kann es das überreizen."

Baby von jetzt auch gleich müde

Überreizung

Ist dem Kleinen alles zuviel, quengelt es zunächst und wendet den Kopf ab – zum Beispiel beim Spielen. Es möchte nicht mehr beschäftigt werden, sondern braucht Ruhe. Bekommt es sie nicht, kann es heftig und schrill anfangen zu schreien. Häufig drücken sich überreizte Babys auch ins Hohlkreuz durch, der Körper ist stark angespannt. "In diesem Fall brauchen die Säuglinge die Unterstützung der Eltern, um sich zu beruhigen", sagt Wollwerth de Chuquisengo. Am besten nimmt Mutter oder Vater dazu das Kind in den Arm und schirmt es von der Außenwelt ab.

Schmerzen

Hat das Baby Schmerzen, schreit es plötzlich und schrill. Sein Körper ist stark angespannt. Wenn die Schmerzquelle erkennbar ist, können die Eltern sie beseitigen. Ist unklar, warum das Kind heftig weint, vermuten Eltern oft, dass es Bauchweh hat. "Das ist aber bei Weitem nicht immer so", sagt Wollwerth de Chuquisengo. "Denn heftiges Weinen kann auch bedeuten, dass das Baby überreizt ist." Wenn das Bäuchlein tatsächlich gebläht ist, können sanfte Massagen oder entblähende Mittel helfen. "Laien können aber eigentlich kaum erspüren, ob sich Luft im Bauch befindet oder der Körper des Kindes bloß angespannt ist", sagt Wollwerth de Chuquisengo. Deshalb rät sie: Schreit das Baby über längere Zeit viel, ohne dass die Eltern wissen warum, sollten sie sich Hilfe vom Arzt holen.

Volle Windel

Wenn das Baby weint, kann auch eine volle Windel ein Grund dafür sein. Ob es gewickelt werden muss, können Eltern dann zum Beispiel durch das Ausschlussverfahren vermuten: Wenn das Kleine weder hungrig noch müde sein kann, könnte das Problem in der Windel liegen. Als nächstes gilt: nachschauen. Das sollten die Eltern ohnehin regelmäßig tun, denn nicht jedes Baby empfindet eine volle Windel als störend. "Es gibt Kinder, denen macht das gar nichts aus", sagt Wollwerth de Chuquisengo. "Andere sind da wiederum sehr empfindlich."

Zu heiß oder zu kalt

Auch, wenn dem Kleinen zu heiß oder zu kalt ist, schreit es. Eltern können seine Temperatur am besten überprüfen, indem sie ihm eine Hand in den Nacken legen: Wenn sich die Haut dort warm und verschwitzt anfühlt, ist dem Baby zu heiß, fühlt sie sich übermäßig kühl an, ist ihm zu kalt. "Eltern sollten am besten immer mal wieder nachschauen, ob ihr Kleines schwitzt oder friert", rät Wollwerth de Chuquisengo. Achtung: Die Hände und Füße des Säuglings anzufassen reicht nicht aus, um seine Körpertemperatur zu kontrollieren. Sie sind meist eher kalt.

Baby von jetzt auch gleich müde

Aufmerksamkeit

Will das Baby Aufmerksamkeit, quengelt es. Ob die Eltern mit ihrer Vermutung richtig lagen, merken sie, sobald sie sich ihm zuwenden: Dann beruhigt sich das Kleine rasch, konzentriert sich auf sein Gegenüber und sucht Blickkontakt. So signalisiert es, dass es aufnahmebereit ist und beschäftigt werden möchte. Jetzt ist für Mutter und Vater die beste Zeit, um mit ihrem Kind zu spielen.

Zufriedenes Baby: Hilfreiche Experten-Tipps

Nicht überreizen

In den ersten Monaten brauchen Babys noch sehr viel Hilfestellung. Dann kann die Zuwendung der Eltern nicht zu groß sein. Aber Vorsicht: "Eltern haben oft das Gefühl, ihrem Kind ganz viel bieten zu müssen" sagt Wollwerth de Chuquisengo. "Sie halten es dann zu lange wach und sind in den Wachphasen sehr aktiv." Ständige Anregungen können das Kleine jedoch überreizen.

Eltern sollten sich den Rhythmus ihres Kindes bewusst machen: Anfangs schlafen Babys alle eineinhalb bis zwei Stunden. "Ein Überangebot an Babykursen kann die Säuglinge überfordern", sagt Wollwerth de Chuquisengo. Grundsätzlich spreche nichts gegen Babymassage, Babyyoga und ähnliches – aber am besten nicht täglich und immer mit Rücksicht darauf, dass es dem Kleinen nicht zuviel wird und seinem Rhythmus entspricht.

An Selbstständigkeit gewöhnen

Mit vier bis fünf Monaten können Kinder langsam lernen, sich für kurze Zeit alleine zu beschäftigen sowie ohne Hilfe einzuschlafen. "Anfangs können die Eltern ihr Kind zum Beispiel mal fünf bis zehn Minuten auf die Krabbeldecke legen, während sie etwas anderes tun", sagt Wollwerth de Chuquisengo. Dabei sollte das Kleine aber nicht unbeaufsichtigt sein.

Um das selbstständige Einschlafen zu üben, reicht es, neben dem Baby zu stehen und ihm die Hand auf den Bauch zu legen. "Bei jedem Kind funktioniert das unterschiedlich gut: Manche gewöhnen sich schnell daran, andere brauchen länger, bis sie sich alleine beschäftigen oder einschlafen können", sagt Wollwerth de Chuquisengo.

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Warum schläft mein Baby auf einmal so viel?

Wenn Ihr Baby zischen sieben und 9 Wochen alt ist, kann ein erhöhter Schlafbedarf auftreten, da das Baby sich in einem Wachstumsschub befindet. Wachsen fordert viel von dem kleinen Körper und ist anstrengend. Jetzt ist es also völlig normal, wenn Ihr Sprössling plötzlich mehr schläft.

Wie erkenne ich Müdigkeit beim Baby?

Die meisten Babys zeigen es, wenn sie müde sind. Wenn Ihr Baby den Blick abwendet, gähnt, glasige Augen hat oder – wenn es schon etwas älter ist – die Augen reibt, ist es Zeit für eine Ruhepause oder ein Schläfchen.

Wie merkt man dass es dem Baby nicht gut geht?

Veränderte oder fehlende Kindsbewegungen wie das Treten oder Drehen des Kindes im Bauch. Starke Kopfschmerzen, die über mehr als zwei oder drei Stunden anhalten. Sehstörungen, beispielsweise Flimmern oder Doppelbilder. Stärkere Kreislaufprobleme oder Schwindel.

Wann ist es am anstrengendsten mit Baby?

«Das erste Jahr ist am anstrengendsten. Zwar schlafen die Babys viel, aber bis sich die Verdauung reguliert und man das Baby besser kennt, vergehen ein paar Monate. Ausserdem finde ich den Übergang vom Stillen, über den Brei bis hin zur festen Nahrung mühsam.